Nach einer Welle der Gewalt im Februar laufen die Planungen für ein friedliches Fußballfest in Mexiko auf Hochtouren. Den aktuellen Halbzeitstand hat Travel Security Analyst Thorsten Muth unter die Lupe genommen. 

“Everything is going to be wonderful.” Dieses Fazit zog Staatspräsidentin Claudia Sheinbaum nach ihrem letzten Treffen mit FIFA-Chef Infantino Ende März. Eine deutliche Botschaft: Am Golf von Mexiko ist man bestens vorbereitet auf die Scharen torhungriger Gäste, die im Frühsommer aus Südkorea und Spanien, aus Tschechien und Uruguay für die Gruppenphase der lang erwarteten WM anreisen werden. Das Thema Sicherheit bleibt allerdings das größte Fragezeichen für die internationale Fußballgemeinde: Erst vor wenigen Tagen ereignete sich am Fuße der Teotihuacán-Pyramiden, einer der beliebtesten Touristenattraktionen des Landes und überdies UNESCO-Weltkulturerbestätte, eine Schießerei mit mehreren Verletzten. Eine kanadische Touristin kam ums Leben. 

Gewalteskalation im Februar

Auch wenn vonseiten der verschiedenen Außenministerien momentan keine generellen Reisewarnungen für die drei Austragungsorte Mexiko-Stadt, Monterrey und Guadalajara, bestehen, bleibt die organisierte Kriminalität doch das zentrale Thema des Sicherheitsdiskurses. Im Februar 2026 hat eine spontane Gewalteskalation insbesondere im Bundesstaat Jalisco deutlich gemacht, wie schnell und koordiniert Kartellgewalt auch urbane Räume erfassen kann. Ausgelöst durch die Tötung von „El Mencho“, dem Anfährer des CJNG (Cártel de Jalisco Nueva Generación), kam es zu hunderten Straßenblockaden, Brandanschlägen und Gefechten mit Sicherheitskräften. Mindestens 25 Angehörige der mexikanischen Nationalgarde kamen ums Leben. Die Ereignisse vom Februar unterstreichen die Fähigkeit der Kartelle, kurzfristig erhebliche Störungen und allgemeines Chaos zu verursachen. Diese besorgniserregende Ausgangslage erfordert einen differenzierten Blick auf die WM und ihre drei Austragungsorte. 

Drei Städte, drei verschiedene Ausgangssituationen 

Die Bedrohung der Fußballweltmeisterschaft durch organisierte Gewalt ist real, doch sie ist weniger flächendeckend als vielmehr lokal konzentriert und situativ äußerst dynamisch. Unter den drei mexikanischen Veranstaltungsorten gilt Guadalajara, die Hauptstadt des Bundesstaates Jalisco, als sicherheitspolitisch sensibelster Standort. Die Stadt liegt mitten im Einflussgebiet des CJNG und war von den Februar-Ereignissen direkt betroffen. Teile des Umlands finden in westlichen Reisehinweisen seit langer Zeit Erwähnung. Monterrey im Nordosten des Landes wird aktuell hingegen als vergleichsweise stabil eingeschätzt. Sicherheitsrisiken bestehen hier vor allem entlang von Verkehrsachsen in Richtung der US-Grenze. Am wenigsten von Kartellgewalt betroffen war bisher die Hauptstadtmetropole, Mexiko-Stadt, wo am 11. Juni das Eröffnungsspiel zwischen Südafrika und Gastgeber Mexiko stattfinden wird. Die Megacity mit ihren 9 Millionen Einwohnern (Ballungsgebiet: 23 Millionen) weist allerdings die typischen Reiserisiken wie Taschendiebstahl, Raubüberfälle oder sicherheitsrelevante Transportthemen auf. Auch die tödliche Schießerei bei den nahegelegenen Pyramiden von Teotihuacán soll ersten Erkenntnissen zufolge in keinem Zusammenhang mit Kartellkriminalität stehen. 

Armee der Hunderttausend: Der Plan Kukulkán  

Die mexikanische Regierung hat schlagkräftig auf die jüngste Eskalation reagiert und ein umfassendes Sicherheitskonzept entwickelt: Der “Plan Kukulkán” (spanisch) sieht den Einsatz von rund 100.000 Einsatzkräften vor. Benannt nach einer Maya-Gottheit, die meist als gefiederte Schlange dargestellt wird und für Macht, Ordnung und Schutz steht, verspricht die Strategie ein Maximum an Sicherheit. Vor allem an den unmittelbaren Austragungsorten und in den Fanbereichen sollen verschiedene Taskforces aus Angehörigen von Armee, Marine und Nationalgarde sowie zehntausende örtliche und private Kräfte den Schutz der Spiele gewährleisten. Mexikos Führung setzt daneben aber auch auf moderne Technologien wie Drohnenabwehr, Videoüberwachung und digitale Lageanalyse, sodass rund um Stadien, Hotels und Verkehrsknotenpunkte mehrschichtige Sicherheitszonen (“Cordon-Systeme”) aufgebaut werden sollen. Eine enge Zusammenarbeit mit den beiden internationalen Veranstaltungspartnern USA und Kanada sowie mit der FIFA ist bei einem Event dieser Größenordnung unverzichtbar. 

Sorgfältige Planung und gesundes Sicherheitsbewusstsein bleiben entscheidend 

Ob der Kukulkán seine Flügel auch schützend über die Peripherie der Spielstätten legen wird, bleibt fraglich: Außerhalb der eingerichteten Sicherheitszonen dürfte die Schutzwirkung begrenzt sein, denn der Plan der mexikanischen Regierung löst strukturelle Probleme der Kartellkriminalität nicht auf. Das Gewaltpotenzial im Land könnte sich lediglich verlagern. Die Spiele selbst werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem gut abgesicherten Umfeld stattfinden, das allgemeine Sicherheitsniveau im Land erfordert jedoch weiterhin erhöhte Aufmerksamkeit. Fußballfans sollten insbesondere im Raum Guadalajara besondere Vorsicht walten lassen, wenn sie sich außerhalb der abgesicherten touristischen Bereiche bewegen. Eine kontinuierliche Beobachtung der Lage (z.B. über die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes, örtliche Medien und die App von A3M Global Monitoring GmbH) ist sowohl für Reisemanager als auch für Privatreisende unverzichtbar. Mit vorausschauender Planung und einer gesunden Prise Risikobewusstsein dürfte einem amerikanischen Sommermärchen im fußballverrückten Land der gefiederten Schlange allerdings nichts mehr im Wege stehen.