Nach Chikungunya, Nipah-, Hanta- und dem Norovirus nun Ebola: Die mediale Berichterstattung überschlägt sich, wenn es um den Ausbruch von Krankheiten geht. Dieses Mal richtet sich der Fokus auf den Osten der Demokratischen Republik Kongo, wo zehn Personen nachweislich an der Krankheit gestorben sind und weitere 1000 Verdachtsfälle bestehen. In welchem Kontext die Krankheit steht und welche Maßnahmen die internationale Gemeinschaft ergreift, fasst Senior Content Manager Marian Nothing zusammen.
Überblick der Geschehnisse

Am 15. Mai melden die Gesundheitsbehörden der DRK in Kinshasa einen Ebola-Ausbruch- vermutlich durch einen Strang des Bundibugyo-Virus. Das Zentrum des Ausbruchs liegt im Osten des Landes, in der von territorialen Konflikten geprägten Provinz Ituri.

Da ausreichende Mittel für eine Eindämmung fehlen – am 23.05. fliehen 18 Patienten mit Verdachtsfällen aus einer Klinik Ärzte ohne Grenzen in Mongbwalu – werden bald auch Fälle in Nord- und Südkivu gemeldet, zudem stirbt ein Infizierter in Kampala (Uganda). Für die WHO konstituiert der Ausbruch keine Pandemie, sondern ein „public health emergency of international concern“.

Fälle nach Auftreten im Osten der DRK
Quelle: BBC
Doch um was handelt es sich eigentlich bei Ebola?

Ebola ist eine schwere und oft lebensbedrohliche Viruskrankheit, die durch das sogenannte Ebolavirus verursacht wird. Die Krankheit wird hauptsächlich durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Menschen oder Tiere übertragen – etwa Blut, Schweiß, Speichel oder Erbrochenes. Damit unterscheidet sie sich von Krankheiten, die über Aerosole verbreitet werden.

Im Fokus des aktuellen Ausbruchs steht die sogenannte Bundibugyo-Variante. Für diesen Virustyp existieren bislang weder zugelassene Impfstoffe noch Medikamente.

Zu den ersten Symptomen gehören meist plötzliches Fieber, starke Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen. Im weiteren Verlauf kann es zu Erbrechen, Diarrhö sowie inneren und äußeren Blutungen kommen. Ohne schnelle medizinische Behandlung verläuft Ebola in 50% der Fälle tödlich.

Zusammengefasst bedeutet das: Ebola ist deutlich tödlicher als viele andere derzeit stark diskutierte Infektionskrankheiten. Gleichzeitig ist die Übertragung vorhersehbar und damit grundsätzlich besser eindämmbar.

Warum ist die WHO vergleichsweise alarmiert?

Was diesen Ebola-Ausbruch von anderen Krankheitsausbrüchen unterscheidet ist der konkrete Kontext, in den er gebettet ist.

Der Osten der Demokratischen Republik Kongo – insbesondere die Provinzen Ituri sowie Nord- und Südkivu – ist seit Jahren Schauplatz territorialer Auseinandersetzungen zwischen den Streitkräften der DRK und verschiedenen Rebellengruppen, die teils in wechselnden Allianzen agieren.
Hunderttausende Menschen flohen bspw. im Januar 2025 im Zuge des Vorrückens der Rebellengruppe M23 entlang der Grenze zu Ruanda in Nord- und Südkivu. In Ituri waren im März 2025 rund 100.000 Menschen aufgrund bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen der ugandischen Armee und einer Rebellenallianz auf der Flucht. Im Zentrum der Konflikte sind oft Kontrolle über Handelswege in die Nachbarländer Ruanda, Uganda und dem Südsudan, sowie die Kontrolle über Minen, in denen Gold und seltene Erden gefördert werden.

Unter den Folgen dieser Konflikte leidet vor allem die Bevölkerung. Bereits während des Ebola-Ausbruchs zwischen 2018 und 2020 führte tiefes Misstrauen gegenüber Autoritäten dazu, dass zahlreiche Infektionsfälle zu spät oder gar nicht gemeldet wurden. Damals starben rund 2.200 Menschen.

Auch dieses Mal ist das Ausmaß des Ausbruchs schwer einschätzbar. Hinzu kommt, dass die betroffenen Regionen durch eine hohe grenzüberschreitende Mobilität geprägt sind. Doch selbst mit Vertrauen in die Behörden: Der Transport von Patienten in oft unterfinanzierte und ungenügend ausgestattete Gesundheitseinrichtungen kostet Zeit und eine Versorgung der Patienten Geld, Ressourcen, die nicht nur während eines Krankheitsausbruchs in der Region rar sind. Alles sind Faktoren, die eine Ausbreitung begünstigen.

Wie wird international auf den Ausbruch reagiert?

Angrenzende Länder wie Ruanda und Uganda reagierten schnell und schlossen ihre Landgrenzen zu den Provinzen Ituris sowie Nord- und Südkivus.

Andere Staaten trafen Maßnahmen, die zwischen erhöhten Gesundheitschecks und Einreisesperren variierten:

  • Bahamas: Einreisesperre für Bewohner der DRK, Ugandas und des Südsudans. Alle anderen Reisenden, die in den letzten 30 Tagen das Land besuchten, müssen sich Gesundheitschecks, sowie einer eventuellen Quarantäne unterziehen.
  • Bahrain: Einreisesperre für Reisende aus der DRK, Uganda und dem Südsudan.
  • Kaimaninseln: Erhöhte Gesundheitschecks am Flughafen für Reisende aus der DRK
  • Kanada: Einreisesperre für Bewohner aus der DRK, Ugandas und des Südsudans. Alle anderen Reisenden aus den Ländern müssen sich auch bei abwesenden Symptomen einer Quarantäne von bis zu 21 Tagen unterziehen.
  • Indien: Erhöhte Gesundheitschecks an Flughafen für Passagiere aus der DRK, Uganda und dem Südsudan.
  • Jordanien: Einreisesperre für Reisenden aus der DRK und Uganda.
  • Kenia: Erhöhte Gesundheitsmaßnahmen am Flughafen für Reisende aus der DRK.
  • Mexiko: Erhöhte Gesundheitsmaßnahmen am Flughafen für Reisende aus der DRK mit Empfehlung einer 21-tägigen Quarantäne.
  • Thailand: Reisende aus der DRK und Uganda müssen über den Flughafen Suvarnabhumi (BKK) einreisen. Nach einer Gesundheitskontrolle ist eine 21-tägige Quarantäne einzuhalten, wenn keine Symptome auftreten.
  • USA: Einreisesperre für Nicht-US-Staatsangehörige, die sich in den letzten 21 Tagen in der DRK, Uganda oder dem Südsudan aufgehalten haben. Staatsangehörige mit einem vorherigen Aufenthalt müssen über die Flughäfen Washington-Dulles (IAD), Atlanta Hartsfield-Jackson (ATL), George Bush Intercontinental (IAH) oder John F. Kennedy (JFK) einreisen, an denen Gesundheitschecks durchgeführt werden.
  • Die EU hat bisher keine Einreisemaßnahmen getroffen, um mit dem Ausbruch umzugehen.
Wie ist die weitere Entwicklung zu erwarten?

Die Lage bleibt angespannt. Kurzfristige Maßnahmen helfen zwar dabei, den Ausbruch einzudämmen, lösen jedoch nicht die strukturellen Probleme der Region. Die Europäische Union hat 15 Mio. € an Hilfsgütern sowie den entsprechenden Lufttransport zugesagt, um die betroffenen Gebiete zu unterstützen.

Langfristig wären vor allem Investitionen in die Ausbildung medizinischen Personals, den Ausbau regionaler Gesundheitszentren sowie die (Re)aktivierung lokaler und internationaler Kooperationsnetzwerke entscheidend. Frühere Katastropheneinsatzketten, die verschiedene Institutionen und Ansätze bündelten, wurden maßgeblich von USAID finanziert. Seit dem zweiten Amtsantritt Donald Trumps wurden entsprechende Programme jedoch stark abgebaut.

Doch WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus gibt sich dennoch in einer Rede zum Africa CDC am 25.05. optimistisch: „We have stopped every previous Ebola outbreak, and we will stop this one, too.“ 

Fest steht, die Eindämmung der Krankheit kann nicht allein nationaler Ebene gelingen. Für ein Ende dieser „public health emergency of international concern“ ist daher die internationale Gemeinschaft mehr gefragt als in der Vergangenheit. Voraussetzung dafür ist vor allem eines: weniger Isolationismus in einer zunehmend globalisierten Welt.