So kündigte am Montag (20.07.) ein Sprecher der Houthi-Rebellen eine unmittelbar gültige Seeblockade Saudi-Arabiens an, in Anlehnung an die Blockade Saudi-Arabien gegenüber dem Jemen. Warum dies eine nicht zu unterschätzende Ankündigung in einer ohnehin komplexen Gemengelage ist, erklärt Travel Security Analyst Marian Nothing.
Blockade Bab al-Mandab: Wie realistisch ist die Drohung der Huthi – und welche Folgen hätte sie?
Die Ankündigung der jemenitischen Huthi-Rebellen, eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien zu verhängen und den Schiffsverkehr durch der Bab al-Mandab zu beeinträchtigen, markiert eine neue Eskalationsstufe im Konflikt zwischen Iran und den USA. Sollte die Drohung umgesetzt werden, stünde erstmals seit Beginn der aktuellen Auseinandersetzung nicht nur die Straße von Hormus, sondern auch der zweite strategische maritime Engpass des Nahen Ostens unter Druck.
Warum Bab al-Mandab so wichtig ist
Die rund 30 Kilometer breite Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean. Gemeinsam mit dem Suezkanal bildet sie eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Ein erheblicher Teil des Warenverkehrs zwischen Europa und Asien sowie große Mengen an Erdöl und Flüssiggas passieren täglich diesen Seeweg.

Mit der faktischen Einschränkung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus infolge der Eskalation zwischen Iran und den USA hat der Bab al-Mandab zusätzlich an strategischer Bedeutung gewonnen. Saudi-Arabien nutzt verstärkt den Hafen Yanbu am Roten Meer, um Rohöl über die Ost-West-Pipeline an die Küste zu transportieren und von dort nach Asien zu exportieren. Eine Blockade würde damit eine der letzten großen alternativen Exportrouten der Golfstaaten gefährden. Allein Saudi-Arabien exportierte im Juli 75% seines Rohöls über den Hafen. Schätzungen zufolge könnten dadurch bis zu sieben Prozent der weltweiten Ölversorgung betroffen sein.
Teil einer iranischen Eskalationsstrategie
Die Huthi stehen militärisch und politisch eng mit dem Iran in Verbindung. Ihre Ankündigung ist daher weit mehr als eine lokale Reaktion auf den Konflikt mit Saudi-Arabien. Nach einem 10-jährigen Bürgerkrieg im Jemen führt Saudi-Arabien seit 2015 mit einer Koalition eine Militärintervention im Jemen durch. Auslöser für die Entwicklung war das Vorrücken der Houthi-Rebellen auf Sanaa und der bevorstehende Verlust des politischen Einflusses auf die Region an den Iran. Die derzeitige Entwicklung ist daher ein erweiterter strategischer Druck Irans auf den Westen.
Während Teheran im Persischen Golf über die Straße von Hormus Einfluss auf den weltweiten Energiehandel ausüben kann, kontrollieren die Huthi de facto die jemenitische Küste entlang des Bab al-Mandab. Damit entsteht das Szenario einer doppelten maritimen Bedrohung: Sollte sowohl Hormus als auch Bab al-Mandab dauerhaft beeinträchtigt werden, wären die wichtigsten Öl- und Handelsrouten zwischen dem Golf, Europa und Asien gleichzeitig betroffen. Genau dieses Szenario erhöht den wirtschaftlichen und politischen Druck auf die USA und ihre Partner erheblich.
Wie realistisch ist eine Blockade?
Trotz der Ankündigung erscheint eine vollständige Sperrung der Meerenge derzeit wenig wahrscheinlich.
Die Huthi verfügen über keine klassische Marine, mit der sich eine dauerhafte Blockade durchsetzen ließe. Ihre Stärke liegt vielmehr in asymmetrischer Kriegsführung: Anti-Schiffs-Raketen, See- und Luftdrohnen sowie unbemannte Sprengboote haben bereits seit Ende 2023 gezeigt, dass sie den internationalen Schiffsverkehr erheblich stören können. Bereits einzelne Angriffe reichen aus, um Reedereien zum Umfahren der Region zu bewegen oder Versicherungsprämien massiv steigen zu lassen.
Daher geht es weniger um eine dauerhafte Blockade, sondern vielmehr um eine Abschreckung mit wirtschaftlichen Implikationen.
Risiken für Unternehmen und Reisende
Für international tätige Unternehmen bedeutet die Entwicklung vor allem eine steigende Unsicherheit in den Lieferketten. Sollte sich die Sicherheitslage verschlechtern, wären erneute Umleitungen um das Kap der Guten Hoffnung wahrscheinlich. Dies würde Transportzeiten um mehrere Wochen verlängern und die Kosten für Fracht und Energie weiter erhöhen. Gleichzeitig steigt das Risiko kurzfristiger Störungen durch einzelne Raketen- oder Drohnenangriffe.
Für Reisende ändert sich durch die Ankündigung nichts, da alle internationalen Fluglinien riskante Korridore bereits meiden und Ziele wie Kuwait, Bahrain und Katar nicht anfliegen. Der Jemen ist nach dem Waffenstillstandsabkommen im April 2022 immer noch mit einer Reisewarnung des Auswärtigen Amts versehen.
Bewertung
Die Ankündigung der Huthi ist daher vor allem als strategisches Signal zu verstehen. Eine vollständige Kontrolle über der Bab al-Mandab besitzen sie nicht. Dennoch konnten die Rebellen in den vergangenen Jahren immer wieder beweisen, dass sie die Ressourcen haben den Schiffsverkehr zu beeinträchtigen.
Im Zusammenspiel mit der Krise um die Straße von Hormus entsteht damit ein Szenario, das über den Jemen hinausreicht. Die eigentliche Gefahr liegt weniger in einer vollständigen Blockade als in der Fähigkeit Irans und seiner regionalen Verbündeten, mehrere maritime Engpässe gleichzeitig unter Druck zu setzen. Dadurch wird der Konflikt zwischen Iran und den USA zunehmend zu einer Herausforderung für die globale Energieversorgung, internationale Lieferketten und das weltweite Risikomanagement.
