Am 3. November 2026 wählen die USA einen neuen Kongress. Alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und rund ein Drittel des Senats stehen zur Wahl. Dieses Mal werden die Midterms auch außerhalb der USA mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Denn viele verbinden mit ihnen die Hoffnung oder Erwartung, dass sich die Mehrheitsverhältnisse in Washington – und damit möglicherweise auch die Politik der Trump-Regierung – verändern.
Doch würde ein Sieg der Demokraten tatsächlich zu einem grundlegenden Politikwechsel führen?
Ein Wahlsieg ist noch kein Politikwechsel
Entscheidend ist zunächst, wie sich die Mehrheiten in den beiden Kammern entwickeln. Die Demokraten könnten das Repräsentantenhaus gewinnen, während der Senat republikanisch bleibt. Sie könnten aber auch beide Kammern übernehmen.
Die Konsequenzen wären sehr unterschiedlich. Ein demokratisches Repräsentantenhaus könnte Trumps Gesetzgebungsagenda erheblich einschränken, Haushaltsentscheidungen beeinflussen und Untersuchungen gegen die Regierung einleiten. Bei einem weiterhin republikanischen Senat blieben Trump jedoch wichtige Handlungsmöglichkeiten erhalten.
Gewinnen die Demokraten dagegen beide Kammern, wäre die Einschränkung deutlich größer. Doch auch dann bliebe Trump Präsident – mit Vetorecht, exekutiven Kompetenzen und erheblichen Handlungsspielräumen insbesondere in der Außen- und Sicherheitspolitik.
Ein demokratischer Wahlsieg führt daher nicht notwendigerweise zu einer Umkehr der Trumpschen Regierungspolitik.
Was A3M in dieser Serie untersucht
In einer mehrteiligen Serie wollen wir deshalb untersuchen, wie wahrscheinlich ein Machtwechsel ist und was er tatsächlich bedeuten würde.
Teil 1 – Das Repräsentantenhaus: Wie sehen die aktuellen Prognosen aus? Welche Sitze sind überhaupt noch kompetitiv und welche Rolle spielen nationale Stimmung, Gerrymandering und Redistricting? (Lesen Sie Teil 1 hier)
Teil 2 – Der Senat: Welche Sitze entscheiden über die Mehrheit? Wo liegen die wichtigsten Battlegrounds und warum unterscheidet sich die Ausgangslage deutlich vom Repräsentantenhaus? (Lesen Sie Teil 2 hier)
Teil 3 – Democratic House, Republican Senate: Was bedeutet ein geteiltes Washington für Trumps innenpolitische Agenda, Haushalt und parlamentarische Untersuchungen? Und welche Auswirkungen wären auf Ukraine, NATO, Europa, Russland, China und den Nahen Osten zu erwarten? (Lesen Sie Teil 3 hier)
Teil 4 – Demokraten kontrollieren beide Kammern: Wie stark könnte ein demokratischer Kongress Trump tatsächlich einschränken? Welche Bedeutung hätten Vetorecht, Executive Orders, Personalentscheidungen und die Kontrolle des Senats?
Teil 5 – Werden die Wahlen frei und fair ablaufen? Welche Möglichkeiten besitzt das Weiße Haus, auf die Rahmenbedingungen der Wahl Einfluss zu nehmen? Wie robust sind die institutionellen Sicherungen des US-Wahlsystems – und welche Risiken entstehen, wenn knappe Wahlergebnisse nicht anerkannt werden?
Warum die Midterms für Europa wichtig sind
Die Auswirkungen der Wahl reichen weit über die amerikanische Innenpolitik hinaus. Die Mehrheitsverhältnisse im Kongress können die amerikanische Politik gegenüber NATO und Europa, der Ukraine und Russland, China und dem Nahen Osten sowie in Handels- und Zollfragen beeinflussen.
Die zentrale Frage unserer Serie lautet deshalb nicht nur:
Wer gewinnt die Midterms?
Sondern vor allem:
Wie verändern neue Mehrheiten im Kongress die Handlungsspielräume der Trump-Regierung – und was bedeutet das für die USA, Europa und die internationale Politik?
Dieser Frage gehen wir in den kommenden Teilen unserer Serie zu den US-Midterm-Wahlen 2026 nach.
